Kategorie: Geniales

Pressestimmen und Referenzen 2.0 (Wir sind die Medien)

Pressestimmen sind beliebt. Autoren und Künstler sammeln gewohnheitsmäßig Zeitungsschnipsel und Links, in denen etwas (meist Gutes) über sie gesagt wurde. Manchmal heißt die Rubrik auch “in den Medien”.

Nicht aufgelistet sind in der Regel die Erwähnungen in Blogs oder sozialen Netzwerken, die mitunter ein nicht geringes Publikum erreichen. In den Medien ist heute eine reformbedürftige Formulierung, weil sie geprägt ist von Gewohnheiten, die gerade bei der älteren Generation hauptsächlich Radio, Fernsehen, Zeitung heißen und noch lange heißen werden.

Die Sammlung von Pressestimmen nur für Leser Ü60? Ohne Frage sind TV-Beiträge und Radio-Interviews mit ihren teils Millionen Zuschauern vor allem aus Vermarktungsgründen bedeutender als jedes Blog. Sind Blogbeiträge aber unbedeutender?

Wenn man mehrfach in großen oder kleinen Blogs positiv besprochen wurde, sind das keine Prädikate? Wer aber gibt solche Erwähnungen oder Verlinkungen als Referenzen an? Sind sie denn nicht oft ehrlicher als von Verlagen und PR-Strategen gekaufte Besprechungen in Print oder TV?

Autoren, Kreative, die sich im Internet versuchen und auf Zuspruch stoßen, sollten sich nicht scheuen, auf lobende Worte zu verweisen. Das gute Gefühl, seinen Namen auf einer anderen Website zu sehen, kann beflügeln. Auch nur 100 reguläre Leser sind Leser, die es sehr wohl im Auge haben, ob jemand beachtet wird oder ignoriert. Und den Lesern sei gesagt, dass ein FAZ-Journalist beispielsweise auch nur jedes hundertste Buch bespricht, das ihm die Verlage zuschicken. Dann entscheiden Zufall, Sympathie oder Hass.

500 Jahre Buchdruck und das letzte Jahrhundert des Fernsehens, Radios und Films haben tiefe Spuren hinterlassen. Ja wir sind im digitalen Zeitalter angekommen, doch ein Blatt Papier oder ein Link auf einer Seite, deren Betreiber mit Papier groß geworden ist, wiegt noch mehr als der Link eines Bloggers, der sich in manchem nicht schlechter auskennt als andere und seine Artikel ebenso leichtfertig oder wohl überlegt schreibt. Je nachdem.

Wir sind die Medien! Ist es Ihnen schon aufgefallen? Jeder kann ein Blog öffnen, Leser gewinnen und ist somit ein Medium. Ein kleines vielleicht. Doch nicht zwingend ein schlechtes. In den Medien heißt auch: wir in uns. Wir sind heute schon mehr Presse, Journalisten, Rechercheure, Kritiker als uns bewusst ist. Was wir öffentlich oder in einer ausreichend großen Gruppe im Web tun, hat Gewicht und Auswirkungen. Positive wie negative. Wir stützen mit jedem Link, wir kanzeln ab, wenn wir nicht verlinken. Oft verlinken wir, was uns nicht gefallen hat und stützen so jene, die es vielleicht nicht verdient haben.

Und wenn jemand in seinem kleinen Blog etwas schreibt, was wahr und klug ist, warum soll man das nicht als Referenz für sich sprechen lassen? Weil es vielleicht ein Freund ist? Was glauben Sie, wieviele Freunde sich in den Medien was schreiben!?

d-lirium ist Haltlos

Daniel Drungels alias d-lirium bittet um Gehör. 

Bitte laden Sie sich diesen Musiktitel gratis auf ihre Festplatte und kopieren Sie ihn so oft Sie es wünschen. Ich erlaube es. Auch die Weiterverbreitung ist legal und sogar ausdrücklich erwünscht.

Gern getan. Klingt ja auch verdammt geil.
(Sagt man das heute noch so? Oder eher “fett”?)

Der unaufhaltsame Harald S.

SAT.1, ARD, SAT.1, Sky. Danach bleibt ihm nur noch das Internet.
Matthias Schumacher rät Harald Schmidt ab und sagt dem deutschen Fernsehen die Zukunft voraus.

Dass kaum jemand zusieht, heißt nicht, dass etwas im Fernsehen schlecht ist. Manchmal ist es nur schlecht platziert wie ein Blumenkohl im Supermarktregal neben den Damenbinden. Manchmal weiß man etwas nicht zu schätzen oder versteht es nicht, weil es einem zu hoch ist. So erklären sich arte und 3sat. Manchmal kann man es aber einfach nicht mehr sehen. Darum geht Harald Schmidt nun zum Premiere-Nachfolgesender Sky und wird verschlüsselt. Wer nicht zahlt, kann Schmidt fortan nicht mehr zusehen bei dem, was er seit 1995, unterbrochen von kleineren und größeren Kreativpausen, mal dort, mal da gezeigt hat.

Den ganzen Artikel lesen auf www.matthias-schumacher.com >>>

Wigald macht die Fliege

Ein Stück für Harfe, Schlagzeug, Gesang und Theremin. Ein Stück, größer als »Da da da«, neuer als die Neue Deutsche Welle, hitverdächtiger als »Don’t Think About Me« von Luca Daniele Bohlen. »Bisher reines Privatvergnügen« dämpft Wigald Boning Erwartungen auf eine baldige Tonträgerproduktion. Die Bescheidenheit wahrer Künstler. Es ist große Musik, weil es noch Musik ist, Musik aus einer Welt, die ohne Kalkül auskommt, deren Interpreten sich nicht von Mottoshow zu Mottoshow kämpfen müssen. Mein Herz für Wigald schlägt nun noch stärker als gestern Abend, wo er mir, zusammen mit der leisesten Punkband der Welt, zum Abendbrot den »Teller« hinstellte und es freudig im Takt bumpern ließ. »Superfliege« steht in gerader Linie, allerdings weitaus undergrounder, underdoggystylischer (außenseiterhaft zum auf die Knie gehen). Angenehm anders und sicher keine Eintagsfliege.

Und wenn es nun zu einem Zusammentreffen von Fliege und Teller käme, wäre auch der musikalisch-komödiantische Gipfel erklommen (nachdem Boning bereits im vergangenen Herbst zum Gipfel der Erkenntnis sowie weit in der Amazon-Rangliste aufstieg, wohin ich ihn ein wenig schieben durfte).

Hören Sie hin und unbedingt den indisch-königlichen Teller, der sanft, eingängig und mit feinster Poesie angeschlagen wie ein Heinz-Rudolf-Kunze-Zitat wirkt und sich doch allein zu behaupten versteht. Sonnenbrille und Performance erinnern an den übermächtigen Ray Charles, der diese Darbietung sicher gern gesehen hätte. Lasst knacken, Jungs!

Ja zum Urheberrecht

Acht Kriminalschriftsteller des SYNDIKAT auf dem Seziertisch.
Man zieht sich längst in schöner Unregelmäßigkeit für Werbung, Studiengebühren und gegen das Robbenschlachten aus. Warum nicht mal fürs Urheberrecht? Vielleicht wirkt die Aktion wie ein Zitat, aber irgendwie ist sie doch originell. Und wirklich gut umgesetzt.

Die Interessen von Künstlern, in diesem Fall Autoren, werden in den Medien viel zu selten beleuchtet. Otto Normalbürger hat wenig Ahnung und keine Meinung.

Heute wirft man, Dank des aktuellen SPIEGEL-Titels, ein Auge auf Aldi und die Situation der 56.000 Mitarbeiter, gestern hat Günter Jauch in seiner Talkrunde vorgearbeitet. Solch ein Interesse für die unzählbaren Autoren, die uns geistig ernähren, wäre wünschenswert. Aber geistige Arbeit gilt noch immer als etwas, das man auch nebenbei machen kann, das nicht wirklich was Handfestes ist. Zehn Stunden Kasse bei Aldi, da ist man sich schnell einig: Hölle! Zehn Stunden Recherche, Kreativität: Die sollten mal richtig arbeiten gehen!

Die Geringschätzung geistiger Arbeit ist ein gewaltiges Problem, das plakative Aktionen wie diese nicht beheben können. Doch vielleicht schlägt eine Aldi-Kassiererin ja in einer kurzen Pause die Zeitung auf, sieht ein Foto von nackten Autoren und denkt: Die haben es auch nicht wirklich leicht. Und: Wenn hier im Laden einer klaut, gibt’s auch Ärger. 

Es wäre schon etwas gewonnen.

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Und wenn es ein morgen gäbe?

Von Account zu Account.

Sehen. Sehen lassen.
Fährten legen. Abdrücke.
Follow me. From The Catcher in the Rye to Backup on the Fly.
Finten ins Feld geworfen. Da verkeimt was!

Hinterlassenschaften ohne Verfalldatum.

Zitate aus dem Passwörterbuch verwandeln Hieroglyphen in Sternchen.
Was steht in ihnen geschrieben? Wer widmet ihnen ein Gedicht?
Sie leiten. Öffnen Fenster. Doch wo geht’s hier raus?
„Hallo“ und „bin rund um die Uhr erreichbar!“
Wen juckt’s? Das Log ist abgefahren –
und out!

Duschen? Später. Hose runter!
Wer hier masturbiert, muss seltener die Laken wechseln.
Ist das der Fortschritt?

Nächster Account.

Als wenn’s kein Morgen gäbe.

Falsches Passwort. Die Sterne stehen schlecht.
Ein Fluch(t)versuch. Wer kommt (da) (noch) mit?

Das Kunststück, atemlos aus einem Vakuum Luft zu saugen.

Eilmeldung: Viel hat sich verändert.

Und wenn es ein Morgen gäbe?
Dann wären wir von gestern.

Sind wir.

Gegendarstellung: Nichts hat sich verändert.

Mail im Posteingang: Passwort zurückgesetzt. Gott sei Dank!
Gott? Dank? Sein? Warum heißt der noch Posteingang? Warum nicht Gott?

: Sehnsucht. Morgen wieder

von Gehege zu Gehege

Was die GEMA so durchwinkt

Musik-ist-uns-was-wert-gema in

»Mit gezielten Image-Maßnahmen schärft die GEMA ab Mitte April das Bewusstsein für musikalische Kreativität in Deutschland« kündigte die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte unlängst in einer Pressemitteilung die Kampagne »Musik ist uns was wert« an. Super Einfall! Doch damit nicht genug! Man kann im Online-Wettbewerb »Das Konzert Deines Lebens« das Konzert seines Lebens gewinnen. Da ich aber nicht wusste, was das mit Konstantin Wecker, H-BLOCKX, Schiller oder Moritz Eggert zu tun haben könnte, habe ich mein Statement einfach mal so gepostet und schon nach kurzer Prüfung…

Schon lustig, was die GEMA so alles durchwinkt, um zu zeigen, was manchem Musik wert ist. Testballons wie dieser lohnen sich immer wieder. Versuchen Sie doch auch mal ihr Glück! Ist viel lustiger als jede Urheberrechtsdiskussion.

Zwischenstand

Athanasius Kirchers Atlantis in

Die Nacht recht dunkel,
Recht hell der Tag zuvor.
Silberstreifensterngefunkel:
Schnuppe, d.h. Meteor.

Blaue Blumen auf den Feldern
Hat der Darmwind umgeknickt,
Unsre Krumen aus den Wäldern -
Flink von Geiern aufgepickt.

Tunneldauerlicht am Ende.
Kreisverkehr auf allen Wegen.
Und schert wer aus zur Wende,
Kommt er sich selbst entgegen.

Die Zeit ist nicht romantisch.
Die Seele eine Phrase.
Die Welt gibt sich atlantisch.
Das ist nur eine Phase.

Verfasst am 16.06.2011
© Matthias Schumacher

Eurovision Song Contest 1956 – 1967 | Graue Vorzeiten

Eurovision in

12 Jahre, 13 Künstler. Das sind 11 Frauen, drei Männer und zwei kleine Italiener.
In Grau und Grau. Anlässlich des nicht stattfindenden Staatsakts zum 30. Jahrestag der Schlacht von Harrogate, in der Nicole Hohloch ein bisschen Frieden brachte und wie nebenbei 17 Nationen niedersang, gedenken wir grauer Vorzeiten, in denen es nicht so gut lief. Völlig zu Unrecht! Margot Hielscher, heute 92, besang in einem Titel von Siegel Senior das Telefon. Im Jahr darauf die Jukebox. Wer weiß, was sie noch alles besungen hätte! Ulla Wiesner suchte den Sieg im Paradies. Margot Eskens konnte aber die Zeiger der Uhren nicht anhalten. Bald wurde es bunt, trashig, pompös, Dschinghis Khan, Gracia, Lou, Lena und Ralph Siegel, Siegel, Siegel, Siegel, Siegel, Siegel, Siegel, Siegel, Siegel, Siegel, Siegel, Siegel, Siegel, Siegel, Siegel, Siegel, Siegel, Siegel. Alles in allem 18 mal.
 Danke, genügt!

1956 Walter Andreas Schwarz »Wartesaal zum großen Glück«

1956 Freddy Quinn »So geht das jede Nacht«



1959 Alice und Ellen Kessler »Heute abend woll’n wir tanzen geh’n« + Interview







1966 Margot Eskens »Die Zeiger der Uhr«

1967 Inge Brück »Anouschka«